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Zita und Toni oder: Abenteuerliche Jahre

11.01.2019

Zita erinnert sich an die Jahreszahl nicht ganz genau, aber Toni würde jede Wette eingehen: Es war das Jahr 1972, als in Meransen der erste Skilift gebaut wurde. „Diese Liftanlage war ein Meilenstein für die gesamte Region“, erzählt Toni. Es waren die Anfänge des Tourismus oder - wie der Hotelier zu sagen pflegt - des Fremdenverkehrs hier in Meransen. Den Hotelbetrieb am Bacherhof haben beide von Zitas Vater übernommen. „Das war noch vor der Straße“, wirft Zita ein. Denn erst 1979 wurde Meransen mit Mühlbach straßentechnisch direkt verbunden. Vorher gab es nur die Seilbahnverbindung mit Mühlbach und die einzige Straße verlief über das Weitental und die Kiener Alm. Eine lange Anreise für die damalige Zeit. Gäste verirrten sich nur vereinzelt hierher in die Pfunderer Berge.


„In den späten Sechzigern haben Zitas Vater und einige andere Bauern begonnen, mit Wandergruppen aus Deutschland zusammenzuarbeiten. Seniorengruppen im Herbst und Jugendgruppen im Sommer wohnten auf den groß angelegten Bauernhöfen in einer Art Jugendherberge“, erzählt mir Toni. Mit dem ersten Skilift kamen auch im Winter Gäste nach Meransen und für Zitas Familie begannen turbulente Zeiten. Die Jugendherberge wurde den neuen Anforderungen nicht gerecht und Zitas Vater hatte den Aufwand völlig unterschätzt. Das Geschäft mit den Gästen war ihm zu viel geworden, und so übernahm die frisch verheiratete Zita gemeinsam mit ihrem Mann Toni das Ruder.


„Mitte der neunzehnsiebziger Jahre lag das gesamte Dorf in Aufschwung und wir haben in der Dorfgemeinschaft gut zusammengearbeitet“, erinnert sich die Chefin des Bacherhofs. „Die Gäste haben das Leben in Meransen sehr positiv beeinflusst. Jeder kannte jeden, es gab viel Austausch und unter den Gästen sind viele Freundschaften entstanden.“

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Für Zita ist es das Zwischenmenschliche, das in ihrem Haus den besonderen Unterschied macht: Bindungen zwischen Gastgeber und Gast. Bindungen, die auch über Generationen bestehen bleiben. Wer das Abschalten hier in Meransen gelernt hat, der kommt wieder. „Bei uns kann man Vieles unternehmen oder auch nichts tun. Wer dieses Angebot zu schätzen gelernt hat, bei dem schlägt es ein wie Dynamit“, weiß Zita aus Erfahrung. Heute ist es also vor allem Ruhe und Erholung, was die Gäste mit dem Bacherhof und Meransen in Verbindung bringen. „Früher hat Toni am Tag mehr Flaschen Williams verkauft als heute im gesamten Jahr. Vor drei Uhr nachts waren wir nie im Bett, heute ist es ab halb Elf ruhig im Haus“, schmunzelt Zita.


Auch an die Achtziger erinnern sich die beiden Pioniere gerne zurück, wenn auch mit gemischten Gefühlen. Die Zeiten waren sehr fordernd, denn die Zinsen waren in Italien hoch. Viele Betriebe mussten damals schließen oder wurden zu Spottpreisen verkauft. Auch für den Bacherhof waren die Zeiten sehr anstrengend. Die gesamte Familie musste anpacken, denn Angestellte konnten sich die beiden Jungunternehmer noch nicht leisten. 1985 dann endlich die Wende: der Druck ließ nach, die Familie konnte aufatmen und nach dieser Krise wieder gestärkt in die Zukunft schauen. Gemeinsam hatten Toni und Zita wichtige Entscheidungen zu treffen, einige davon waren recht wagemutig. Als 1994 im Bacherhof das erste Freibad eröffnete, war den beiden schon etwas mulmig zumute. Aber das Risiko hat sich gelohnt. Für Toni war das Schwimmbad die beste Werbung, die sie damals machen konnten! „Es hat wie eine Bombe eingeschlagen“, kann sich Zita noch gut erinnern.


Bald sind die Kinder von Zita und Toni an der Reihe, aber das hat keine Eile. Die beiden Seniors fühlen sich noch richtig wohl, gebraucht und gefordert im Betrieb. Die vergangenen Jahre waren ungetrübt und die Familie hat sich in einen funktionierenden Rhythmus eingefunden. Jeder der Familienbande kann sich auch den eigenen Hobbys widmen und sich hie und da eine Auszeit nehmen. „Erholung ist für uns genauso entscheidend wie für unsere Gäste!“


Zita und Toni möchten ihr Haus weiterhin überschaubar halten und wollen ihre Hausgäste kennen, damit der Bacherhof das bleiben kann, was er schon immer war und auch zukünftig sein soll: Ein Ort der Begegnung mitten in den Pfunderer Bergen in Südtirol. Ein Ort, an dem die Menschensonne wohnt.

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